von Gisela Grosse, CCI Münster

Sustainable Publishing

Sustainable Publishing meint die nachhaltige, insbesondere ressourcenschonende Herstellung und Veröffentlichung von Produkten und Dienstleistungen, über ökologische Produktionsprozesse hinausgehend.

In Zukunft wird der Erfolg von Unternehmen mehr und mehr von ihrer Fähigkeit abhängen, Werte zu schaffen, ohne Ressourcen jeglicher Art, seien es natürliche, soziale, menschliche oder finanzielle, zu verbrauchen. Stakeholder werden zunehmend nach Informationen darüber suchen, wie Unternehmen ihre Geschäftsstrategie mit ihrer finanziellen und nichtfinanziellen Leistung verknüpfen (PWC, May 2012, Integrated Reporting).

Nachhaltig zu handeln wird heute längst nicht mehr nur als die Berücksichtigung ökologischer Aspekte in Produktionsprozessen verstanden, vielmehr ist die Zukunftsfähigkeit unternehmerischen Handelns abhängig von der gegenseitigen Beeinflussung von Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft in einer sich global entwickelnden Gesellschaft zu verstehen.

„A thriving global community that lifts humanity and enhances the resources on which all life depends.“ (Vision der GRI – Global Reporting Initiative).

Das unternehmerische Handeln war schon immer auf „Zukunftsfähigkeit“ ausgerichtet, jedoch in der Vergangenheit mit einem deutlich überwiegenden Fokus auf ökonomische Aspekte. Noch in den Nullerjahren unseres Jahrhunderts war die Unternehmensberichterstattung – bis auf wenige Ausnahmen – auf ökonomische Leistungsparameter ausgerichtet. Ökologische und gesellschaftliche Themen wurden, wenn überhaupt, rudimentär und nicht überzeugend präsentiert.

Das änderte sich nach der Finanzmarktkrise 2008. Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit wurde der SD-KPI-Standard 2010-2014 (Sustainable Development-Key Performance Indicator) veröffentlicht, der für jede Branche festlegte, über welche nichtfinanziellen Leistungsindikatoren die jeweiligen Unternehmen zu berichten hatten. Diese Berichterstattung war zuerst freiwillig, was nicht zuletzt den blumigen Wortschatz der Unternehmen erweiterte. Mehr inhaltliche Substanz resultierte aus der Europäischen CSR (Corporate Social Responsibility) -Richtlinie vom November 2014, die mehr Transparenz über ökologische und soziale Aspekte europäischer Unternehmen einfordert. Die Einführung der CSR- Anforderungen hat sich zunehmend in der Darstellung von Nachhaltigkeitsthemen im Corporate Reporting der Unternehmen widergespiegelt.

Während die Abbildungen der Rational AG aus dem Jahr 2007 und der EADS AG aus dem Jahr 2009 (s. Beispiele weiter oben) ein eher einfältiges Verständnis von Nachhaltigkeit widerspiegeln, entwickelte sich die Bildsprache in Geschäftsberichten anderer Unternehmen in den folgenden Jahren zu einer Dokumentation ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Thema.

Während in der „CCI-Vorwortstudie“ 2012/2013 zu den Inhalten des „Briefs an die Aktionäre“
die Themen Ökologie, Gesellschaft, Politik und Staat vergleichsweise gering ausgeprägt waren (15,4 %), nahmen sie in der Folgestudie 2015 / 2016 bereits einen breiteren Rahmen ein (31,3 %), wobei hier insbesondere das übergeordnete Thema Unternehmenskultur mit 13, 7 % zu Buche schlug.
Im April 2017 wurde das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz im Bundestag verabschiedet. Es verpflichtet große kapitalmarktorientierte Unternehmen zu einer Erweiterung des (Konzern-) Lageberichts um eine nichtfinanzielle Erklärung. Diese muss sowohl Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption als auch eine Ergänzung der „Erklärung zur Unternehmensführung“ um Angaben zum Diversitätskonzept beinhalten. Zu jedem der genannten berichtspflichtigen Aspekte sind Angaben zu machen, die für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage des Konzerns sowie der Auswirkungen der Geschäftstätigkeit des Unternehmens auf diese berichtspflichtigen Aspekte erforderlich sind. Dabei ließ der Gesetzgeber offen, ob diese Erklärung im Lagebericht integriert, als gesonderter „Nichtfinanzieller Bericht“ im Geschäftsbericht oder als „gesonderter Bericht“ publiziert wird.

Entsprechend divers zeigt sich aktuell das Corporate Reporting in Deutschland. Die jährliche Analyse des CCI zum Corporate Reporting des DAX 30 zeigt, dass der gesetzliche Spielraum bei der Umsetzung der CSR-Richtlinie ausgenutzt wird, leider wird damit das ursprüngliche Ziel, die Berichterstattung für Stakeholder vergleichbar zu machen, nicht erreicht. Lediglich vier der 30 Top-Unternehmen publizieren einen integrierten Bericht. Im europäischen Vergleich ist das noch recht mager, hier publizieren von den 800 analysierten sroxx-Unternehmen im Jahr 2017 immerhin 225 einen Integrierten Bericht, wie eine Studie der Mailänder Agentur MESSAGE feststellt (Annual Reporting in Europe, Research 2017, Message)

Die Darstellung der komplexen und vernetzten Zusammenhänge von Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft gelingt einigen Unternehmen gut, im Durchschnitt aller Unternehmen liegt aller- dings noch großes Optimierungspotenzial. Dabei wird zu oft ignoriert oder vernachlässigt, dass unsere Wahrnehmung zu rund 80 % durch die Augen bestimmt wird. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden machen wir uns ein „Bild“. Die Wahrnehmungspsychologie und neuere Hirnforschung belegen, dass sich die Menschen vorwiegend durch visuelle Darstellungen verständigen und sich darüber auch selbst definieren. Im Vergleich zur Textinformation hat das Bild nachweislich eine wesentlich bessere Erinnerbarkeit und höhere emotionale Wirkung. Und die Bildwirkung überträgt sich für den Rezipientenin den meisten Fällen unbewusst – auf die mit den Bildern verknüpften Informationen.

In der Kommunikation gilt: Es kommt nicht nur darauf an, was gesagt wird, sondern auch, wie
es gesagt wird. Die Inhalte müssen die menschlichen Sinne erreichen – akustisch, visuell oder haptisch. Das gilt auch für das Reporting! Es ist die Form, durch die die Inhalte überhaupt erst
„in Erscheinung“ treten. In diesem Sinne trägt die gestaltete Form des Reportings erheblich dazu bei, welche Informationen bzw. inhaltlichen Botschaften die Stakeholder erreichen (siehe auch: Visuell berichten, eine Studie zum Potential der Gestaltung in Geschäftsberichten, Gisela Grosse u.a., Springer Research).

Ausblick

Die Wirtschaft kann in einer Welt voller Armut, Ungleichheit, Unruhen und Umweltstress nicht gedeihen, und deshalb hat sie ein vitales Interesse daran, dass die Agenda für nachhaltige Entwicklung bis 2030 und ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs oder Global Goals) erreicht werden. Durch die Aufrechterhaltung anerkannter Standards und Prinzipien in den Berei- chen Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und Korruptionsbekämpfung leistet die Wirtschaft einen wesentlichen Beitrag zu den SDGs (Lise Kingo, CEO United Nations Global Compact und Tim Mohin, CEO GRI in: Integrating the soG‘s into Corporate Reporting, August 2018).

Die Agenda 2030 und ihre Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, die 2015 von 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen gebilligt wurden, fokussieren die globalen Bemühungen auf 17 drängende Probleme. Sie sind damit für jedes Land verbindlich und umzusetzen. Das SOG-Ziel Nr. 13 besagt bspw., dass jedes Land Sofortmaßnahmen ergreifen soll, um den Klimawandel und seine Auswirkungen zu bekämpfen. Das SOG-Ziel Nr. 3 ist der Gewährleistung eines gesunden Lebens aller Menschen jeden Alters gewidmet.

Im Jahr 2019 gab es europaweit Proteste junger Menschen, die mehr politische und gesellschaftliche und damit unternehmerische Aktivitäten für den Klimaschutz einfordern. In diesem Jahr hat die Covid-19-Pandemie zu Unterbrechungen von Lieferketten und Versorgungsengpässen geführt, die – mitunter peinlich – offenlegten, dass unternehmerische »Nachhaltigkeit« in einer globalisierten Welt hier und da zu kurz gedacht wurde.

Bei Durchsicht der aktuellen Geschäftsberichte des DAX 30 zeigt sich, dass Informationen zum Klimaschutz an Bedeutung gewonnen haben, allerdings „verbergen“ sich die entsprechenden Ausführungen i.d.R. in langen, schlecht strukturierten Texten. Hier wurde die Chance einer transparenten, proaktiven und leicht zugänglichen Kommunikation nicht genutzt.

Dagegen steht zu erwarten, dass das Virus Covid-19 im Reporting viel Aufmerksamkeit erreichen wird, allein schon als Erklärung für eingetrübte Leistungsbilanzen. Ob das Virus die Bereitschaft erhöht, Nachhaltigkeit weiter zu denken oder positive Veränderungen in der Kommunikations- und Darstellungsfähigkeit im Corporate Reporting bewirken kann, bleibt abzuwarten.

Weitere Infos unter: https://www.cci-muenster.de/services/

Bildnachweise nach Reihenfolge im Beitrag:
VW 2017, Rational AG 2007, EADS AG 2009, RWE 2010, Linde 2010, BMW 2012, Merck 2017, adidas 2015, Fresenius MC 0213

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Viel positives Feedback aber kein Invest gab es 2015 für Vinzent und Luis Karger bei der TV-Sendung „Höhle der Löwen“. Damals hatten die beiden Brüder gerade einmal 22 Kinderwagen im Monat verkauft. Den Durchbruch haben sie auch ohne die Löwen geschafft. Ihre Erfolgsfaktoren: Handwerksqualität made in Franken anstatt asiatischer Billigproduktion, Individualität und schadstofffreie Materialien.

Kunstvoll gewürzt: Michael Beständig Design

Diese Salz-und Pfeffermühlen sind definitiv viel zu schade, um sie im Küchenschrank zu verstauen. Die aus Holz gefertigten Einzelstücke vereinen Funktion und ästhetisches Design. In einer kleinen Werkstatt am Bodensee produziert Michael Beständig seit fast 25 Jahren überwiegend in Handarbeit und mit hochwertigem Material.
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It‘s PSSBL!

Es ist machbar: Wir können Dinge ändern. Genau das zeigt PSSBL. Ein Label für nachhaltig produzierte Taschen, das Nachhaltigkeit konsequent weiterdenkt.
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Neue Achtsamkeit: Wertig, nachhaltig und individuell

Gesellschaften verändern sich. Veränderungen bedeuten Auswirkungen auf viele Bereiche, auch auf die Wirtschaft. Anders als kurzfristige Modeerscheinungen sind gesellschaftliche Trends tiefgreifender und nachhaltiger. Und sie beeinflussen unser Verhalten, beispielsweise, wie wir arbeiten oder was uns wichtig ist. Und sie beeinflussen, wie und was wir konsumieren. Die Entwicklung innovativer Produkte der Konsumgüterindustrie geschehen in der Regel immer im Kontext gewisser Trends. Das gilt auch für die Papierbranche.
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Ausgezeichnete Marke: Paprcuts

Diese Portemonnaies fühlen sich an wie aus Papier, sind aber genauso robust wie eine herkömmliche Ledergeldbörse. Worin liegt der Unterschied? Die Antwort heißt Tyvek® und besteht aus Kunststofffasern, die zu 100 Prozent recycelbar sind. 2017 wurde Papcruts für seine innovative und erfolgreiche Idee mit dem German Brand Award Gold ausgezeichnet.

Wissenschaftlich untermauert: AfB – social and green IT

Die AfB gGmbH ist Europas größtes gemeinnütziges IT-Unternehmen, das seit 15 Jahren durch die Aufarbeitung von gebrauchten IT- und Mobilgeräten Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt schafft, Klima und Umwelt schont und hochwertige Dienstleistungen von Abholung über Datenvernichtung bis Remarketing anbietet.

Lenzing

Mit Recyclingpapier verbinden viele immer noch ein unschönes, gräuliches Produkt, das den Ansprüchen für einige Einsatzzwecke nicht gerecht wird. Die Wahrheit ist: Inzwischen sind Papiere aus recycelten Materialien oft kaum noch von Frischfaser-Produkten zu unterscheiden. Ein gutes Beispiel dafür sind die enviro®- oder tecno®-Recyclingpapiere im Portfolio der Inapa Deutschland, die bei Lenzing Papier in Österreich nachhaltig produziert werden.
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Frische Lebensmittel umweltfreundlich aufbewahrt: Stasher

Die Vorteile der Staher Bags sind schnell aufgezählt: Sie sind zu 100 Prozent frei von Kunststoffen, Füllstoffen und Mineralöl und enthalten kein BPA & BPS. Die verschließbaren, langlebigen Aufbewahrungsbeutel bestehen aus Platinsilikon, die aus natürlichen Rohstoffen gewonnen werden.

Der Geschäftsbericht wird zum Erlebnis: Porsche AG

Ein klassisches Medium ist im digitalen Zeitalter angekommen. Die Porsche AG präsentiert mit ihrem Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2018 ein digital erweitertes Markenerlebnis und liegt damit ganz im Trend Experience.